Im Zuge der Recherchen für meine Diplomarbeit habe ich mir zahlreiche Agenturen im deutschsprachigen und englischsprachigen Raum angesehen, um ein paar Best-Practice-Beispiele für gelungene Social-Media-Kommunikation eines B2B-Unternehmens zu finden. Vor allem in den USA gibt es Unternehmen, die sich auf diesem Gebiet hervorragend auskennen und ihr Wissen über Social Media auch zur Schau stellen, indem sie ihre Präsenzen auf verschiedenen Plattformen brav auf der Unternehmenswebseite verlinken.
Im Vergleich dazu sind Kommunikationsagenturen im deutschsprachigen Raum eher scheu, was den Hinweis auf ihre Social-Media-Aktivitäten anbelangt. Es gibt Unternehmen, die sich trauen (zum Beispiel evolaris) und es gibt Agenturen, die zwar tolle Social-Media-Präsenzen haben, sie aber nirgends, nicht mal im Kontakt-Bereich der Unternehmenswebseite, erwähnen (zum Beispiel knallgrau) – hier war ich zu blöd zum genau hinsehen, knallgrau verlinkt natürlich schon. Und dann gibt es noch Unternehmen – und das sind die lustigsten – die sich selbst als “Social-Media-Experten” bezeichnen und keinen einzigen Social-Media-Account haben (hier nenne ich mal keine Namen – man wird ja so leicht verklagt in der heutigen Zeit…).
Ich habe die Frage, warum denn fast niemand im B2B-Bereich seine Social-Media-Präsenzen auf seiner Webseite anführt, auf Twitter mal so in meinen Follower-Raum gestellt und siehe da, nicht nur ich finde das komisch. @Printmonster meint, es sei ja eigentlich ein Widerspruch in sich, seine Social-Media-Aktivitäten nicht anzupreisen.
Einige Leute und ich haben wild herumvermutet, warum das so sein könnte. Dies sind die (unzensierten) Vermutungen:
- Die Unternehmen glauben nicht, dass ihren potentiellen Kunden und Interessenten Social-Media-Accounts und Interaktionsmöglichkeiten wichtig sind. (nicht gerade förderlich für Agenturen, die Social-Media-Betreuung anbieten)
- Die Unternehmen halten ihre Social-Media-Aktivitäten für nicht gut genug. (… dann haben sich die Agenturen aber das falsche Themengebiet für ihre Arbeit ausgesucht)
- Es ist den Unternehmen nicht bewusst, dass sich Besucher der Website sofort und eigenhändig auf die Suche nach Twitter-, Delicious- oder Flickr-Accounts oder die Facebook-Seite macht. (das würde man dann betriebsblind nennen – auch ich vergesse mich manchmal und denke, dass Twitter und Facebook allgemein bekannte Begriffe sind)
- Die Unternehmen trauen sich nicht, ihre Social-Media-Accounts auf dem “Aushängeschild” ihrer Online-Präsenz zu zeigen. (Haftet Social Media noch das Image der Spielwiese für Freaks und Geeks und Teenies an?)
- Die Unternehmen haben gar keine Social-Media-Accounts, weil sie keine Zeit für ihre eigenen Social-Media-Aktivitäten, weil sie so viele Kunden zu betreuen haben. (das wirft die Frage auf, wie sich diese Unternehmen im ständig wachsenden und sich verändernden Feld der sozialen Medien mitkommen – und wenn sie so erfolgreich sind, warum stellen sie nicht eine Person an, die sich um die Social-Media-Kommunikation kümmert?)
- Die Unternehmen wollen die Aufmerksamkeit nicht von ihren Kunden und deren Social-Media-Aktivitäten auf sich lenken. (für mich das einzige Argument, das irgendwie plausibel ist – wenn auch schwach, da Agenturen tendenziell doch eine andere Zielgruppe haben als beispielsweise ein Baumarkt)
Mein Tipp lautet, dass Social Media im deutschsprachigen Raum noch nicht wirklich salonfähig ist. Für viele ist dieser neue und sich stetig und schnell verändernde Bereich noch ein Mysterium, vielleicht sogar ein Ort des Bösen. Diesem allgemeinen Tenor folgen vielleicht auch die Agenturen – sie beteiligen sich zwar (zum Teil) am Social-Media-Geschehen, machen dies auf ihrer Webseite nicht öffentlich. Schade, eigentlich.
In diesem Fall hoffe ich doch, dass dieser Trend, die Akzeptanz für Unternehmenskommunikation in den sozialen Medien bald über den großen Teich zu uns hinüberschwappt. Ein bisschen ist ja schon zu erkennen – beispielsweise hat Bipa in seiner Fernsehwerbung bereits einen Hinweis auf seine Facebook-Seite.
