Oh, wie schön. Es ist Vorwahlzeit (in Graz und Wien). Quasi Festspielzeit des politischen Zirkus. Und der brave Durchschnittsösterreicher macht natürlich mit. Auf der einen Seite haben wir die Politiker und Parteien, die vorbildhaft ihre Show abziehen – ohne Tiefgang, nur mit Provokation oder emotionalem Blabla. Auf der anderen Seite steht der vom Theater genervte Österreicher, der entweder aus Protest diejenigen wählt, die am lautesten und ungeniertesten schreien (meist FPÖ), oder voller Inbrunst verkündigen, dass sie ihre kostbare Zeit nicht mit Wählen verschwenden werden.
Sowas stimmt mich traurig. Ja, das politische Gebaren und die Diskussionskultur lassen in Österreich sehr zu wünschen übrig. Sachliche Debatten – unmöglich. Aber dennoch: Wer nicht wählen geht, verbessert die Situation nicht. Er macht sie eher schlechter. Und dann dürfte sich der stolze Nicht-Wähler eigentlich auch nicht beschweren über die böse, böse Politik (Was, kein Jammern? Pffft.). Jahrhundertelang gab es kein Wahlrecht. Jahrhundertelang waren die Menschen der Willkür von Alleinherrschern ausgesetzt. Nun, im 21. Jahrhundert, hätten wir die Möglichkeit zu wählen und die Zukunft des Landes – unsere Zukunft – mitzubestimmen. Das ist ein Geschenk, ein hart erkämpftes Recht, dass von den Raunzern mit Füßen getreten wird. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Vor allem bei Ansagen wie: “Es ist eh nur eine Stimme. Die ist eh wurscht.” Grrraaaaa!
Ich für meinen Teil werde auf jeden Fall wählen gehen. Es ist zwar schwierig, eine Wahl zu treffen, da ich mit keiner Partei, mit keinem Politiker wirklich zufrieden bin. Aber ich werde eine Wahl treffen.
Vor einigen Jahren sangen die Ärzte: “Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.” Also bitte. Aufstehen. Wählen gehen. Gegen das Polittheater und den Parteienzickenkrieg demonstrieren.
